Undine Goldberg / Cornelia Wittmann
Künstlerportraits
2 x 37 Handabzüge s/w, 1993
Die Akademie in München Anfang der Neunziger war immer
noch von den alten Professoren beherrscht, es gab keine Professorin und
ich war Kunststudentin und wütend und sah in der Malerei für
mich keine Zukunft. Meinem Professor war’s egal, aus mir wird eh
keine Abstrakte mehr.
Künstlerinnen wie Valie Export, Cindy Sherman, Louise Bourgoise und
auch die „Texte zur Kunst“, und „Spex“, die Musik
von Liz Phair und Hole waren wichtig.
Cornelia und ich schlossen uns zu einem Künstlerduo zusammen und
unsere erste gemeinsame Arbeit waren die „Künstlerportraits“,
die wir erstmals in der Jahresausstellung 1993 an der Akademie ausstellten.
Kunst machen konnten wir auch mit Humor, es schien einfach und machte
Spaß und wir waren voller Zuversicht.
Die Spiegelreflexkamera war leicht zu bedienen, und nach etlichen Flohmarktbesuchen
und Stunden in der Akademiebücherei hatten wir Material für
die „Künstlerportraits“ zusammen.
Die Idee zur Arbeit war aus unserem Wunsch nach sofortiger und immerwährender
Gerechtigkeit entstanden.
Mit einem Seminar vom neuen Leiter des Kunstvereins München, Helmut
Draxler, änderte sich die Atmosphäre. Wir fühlten uns in
der Zeit angekommen. Aus dem Seminar wurde die Ausstellung „Die
Utopie des Designs“.
Im Sommer 1994 dann „it’s a girl - Feminismen in der Kunst“,
kuratiert von Hedwig Saxenhuber, die auch unsere „Künstlerportraits“
zeigte.
Es gab neben dem Kunstverein natürlich auch den Kunstraum Daxer am
Odeonsplatz, wo wir nach den Vernissagen noch alle zum Hendl essen in
den gegenüberliegenden Wienerwald eingeladen wurden, später
nur noch zu Getränken, dann nicht mehr.
Das Baadercafé und das Tanzlokal Größenwahn waren allabendliches
Vorprogramm, das Parkcafé, letzter Ausläufer der Munich Disco,
war letzte Station auf dem Weg nach Hause.
Wir wärmten uns an den letzten Strahlen des leuchtenden Münchens.
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